ich habe mich länger nicht mehr gemeldet. Das hatte seinen Grund. Ich wollte Abstand und den habe ich mir genommen. Das alltägliche Lesen und Schreiben von der Essstörung kam mir krank vor. Und ganz ehrlich, das IST es ja auch.
Aber es hilft auch. Und genau deshalb bin ich wieder hier. Mir ist viel Aufgefallen an meiner Essstörung und meinem Leben damit. Nach guten zehn Jahren, die sich mehr oder weniger nonstop jeden Tag, jede Nacht ums Essen drehen, wird es mir so langsam lästig.
Mir ist aufgefallen, dass ich eigentlich glücklich bin. Mit mir, meiner Figur und meinem gesamten Leben. Es klingt vermutlich kitschig, aber ich liebe es sogar. Was mir immer wieder einen Strich durch die Rechnung, ist, dass ich nicht normal essen kann. Dass das Essen viel zu oft zwanghaft ist und einen zu großen Stellenwert spielt.
Es ist ja nichtmal mehr so, dass ich gar nicht essen will. Essen gehen macht mir Spaß, schön kochen auch. Aber ich habe nach wie vor Angst, zuviel zu essen oder habe bereits gegessen, wenn spontane Einladungen eintrudeln.
Allem voran ist aber leider immer noch die Bulimie. Momentan ist es besonders schlimm. Mir fällt es einfach unheimlich schwer, nicht zu fressen und zu kotzen. Ich habe nichtmal Fressanfälle, ich wiege momentan sowenig, wie schon lange nicht mehr. Es ist mehr diese Ventilfunktion, dieses Ausbrechen, was ich so daran liebe. Ja, liebe. Die Bulimie ist meine Droge. Die letzten Wochen habe ich meist 6 von 7 Tagen normal leben können und bin am 7. dann eingebrochen. Manchmal noch am Tag danach. Ich weiß nichtmal, warum. Aber das zieht meine Laune Woche um Woche runter und das ist unheimlich schade. Auch macht es meinem Körper sehr zu schaffen und ich merke, dass so langsam bleibende Schäden an die Oberfläche kommen.
Meine Gedanken dazu: Warum bin ich essgestört? Ich bin sehr dünn, aber nicht unbedingt krankhaft dünn. Ich esse wenig und manchmal arg wenig, aber das gleicht sich meist in den Tagen danach wieder aus. Ich lebe, habe viele Freunde und bin echt glücklich. Aber die Bulimie bringt immer diesen grauen Schleier rein. Und das möchte ich nicht mehr. Kann man nicht irgendwo einen Schalter umlegen und nichtmehr essgestört sein?
Vorhin nach dem Abendessen habe ich kurz überlegt, ob ich mich kurz ruhig einmal hinsetzten und entspannen soll. Sattsein ist schön! Und selbst, wenn man übersatt ist, hackt der Magen das über Nacht klein und am nächsten Tag hat man wieder Hunger. Essen, bis man satt ist. Wo ist da bitte das Problem? Wie dem auch sei, ich wollte mich kurz im Schneidersitz hinsetzen und mich einfach erfreuen, schön Pizza gegessen zu haben und nun satt und zufrieden zu sein. Bei gesunden Menschen, fängt dann das Leben erst an. Bei uns Essgestörten hört es auf. Ganz ganz selten bin ich nach dem Abendessen nochmal unterwegs. Nach dem Abendessen ist der Tag für mich vorbei. Irgendwie macht mich das traurig...
Aber ihr, ihr selbst etwas anderen Menschen vor euren Computern: Was denkt ihr dazu? Ich muss ganz ehrlich sagen, ich könnte mich vom Dünnsein wollen nicht loseisen. Aber ich könnte mich liebedgerne von dem Zwang verabschieden. Wie gesagt, ich esse. Mal mehr, mal weniger. Großteils sehr gesund mit viel Obst und Gemüse, manchmal aber auch einfach worauf ich Bock hab. Das Problem dabei ist aber, dass ich nonstop daran denke und mich damit beschäftige. Und es mir dadurch sehr oft eben im Weg steht. Wenn ich am Wochenende feiern gehe, darf ich (warum auch immer, über die Jahre so angewöhnt) ab dem Frühstück nichts mehr essen. Manchmal verdrück ich dann richtig viel, weil ich ja nichts mehr essen 'darf'. Dinnerdates mit anschließend feiern gibt es bei mir nicht. Und das finde ich schade. Vor allem, weil ich mir besonders in letzter Zeit, in der ich nochmal ein paar Kilo abgenommen habe, denke, dass ich doch eigentlich mal vorm Feiern noch etwas essen könnte. Dann könnte ich besser schlafen, hätte diese mollige Wärme im Bauch und rausstehen tut der Bauch ohnehin nicht mehr. Aber es geht irgendwie nicht.
Und dann stellt sich mir die Frage: Komme ich von der Bulimie weg, wenn ich meinen Kopf durch immerzu zu wenig essen doch angreifbar mache für die Bulimiegedanken? Vermutlich nicht. Will ich gesund werden? Ich würde sagen, ja. Aber zunehmen, das will ich nicht. Wobei ich sagen würde, dass ich nichtmal langfristig zunehmen würde. Aber wer weiß das schon.
Ich weiß nicht, ob das nach meiner langen Abstinenz nun irgendwer lesen wird. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn ihr ein paar Gedanken und Erfahrungen dalassen würdet. Ich werde mir auch nochmal meine Gedanken machen. Macht es gut.
| das war ein 'Snack' |
| zum Wachwerden: Obst und Kaffee |
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| 48-50 Kilo bei 1,70m momentan |




